Bibliolog-Erfahrungen


Auf dieser Seite berichten Bibliolog-Leitende über Erfahrungen und Erlebnisse mit Bibliolog.

Haben Sie selber etwas Besonderes erlebt beim Leiten von Bibliologen? Berichten auch Sie andern davon!



Bibliologe in der Klinik - Daniel Dettwiler, Musiktherapeut (Nov. 2017)

Ich habe im Sommer 2017 den Bibliolog-Grundkurs besucht – bin also ein Anfänger😊.  Und nun habe ich im Herbst als Mitarbeiter in einer christlichen Klinik für Psychosomatik eine Patientengruppe gestartet, in der ich wöchentlich einen Bibliolog durchführe. Meine ersten Erfahrungen sind sehr berührend.  - So zum Beispiel bei der Geschichte von Martha und Maria: Da fliessen schon mal die Tränen, wenn eine Sehnsucht entsteht, so wie eine Maria sein zu dürfen und zu realisieren, wie sehr man sich selber ins Burn-Out hineinmanövriert hat. Da wird aber auch grosser Ärger auf Jesus spürbar bei jemand anderem, der nicht verstehen mag, dass Jesus mit Martha "so hart" umgeht.
Gerade Patienten mit psychosomatischen Beschwerden oder depressiv Erkrankte haben oft Mühe, ihre Gefühle zu spüren und auszudrücken. Hier bietet der Bibliolog eine gute Möglichkeit, in anderen Rollen Gefühle wahrnehmen zu dürfen und diese auch zu äussern.
Die Therapie-Gruppe "Bibliolog" hat sich in kurzer Zeit in unserer Klinik etablieren können!


Bibliologe in der Frauengruppe - Beatrice Kolman (Nov. 2017)

Ich mache regelmässig in einer Frauengruppe in Nidau Bibliologe. Einige Frauen kommen nur, wenn es einen Bibliolog gibt.
Im vergangenen Jahr widmete ich mich vor allem dem Thema „Frauen der Bibel“. So waren wir mit Lea und Rahel, Hagar, Ruth, Maria, der Frau am Jakobsbrunnen, Lydia … unterwegs. Auch Männer in ihrem Umfeld kamen zu Wort.
Die Frauen lieben es, wenn ich zum Einstieg Hintergrundinformationen biete, z.B. rund um die Purpurfärberei oder "Wer sind die Samaritaner"?
Ich übte mich "im Raffen" bei Lea und Rahel und "im Strecken" bei Lydia. Das waren interessante Erfahrungen.
Meine Freundin hat im Gemeindeheft „Porträt“ des EGW Biel einen Artikel dazu geschrieben. Sie finden ihn hier: Jeder und jede  hat etwas zu sagen (ganz hinunterscrollen).


Bibliolog zu Psalm 1 - Ulrich Dällenbach
Eine Teilnehmerin im Altersheimgottesdienst schlüpft bei einem Bibliolog zu Psalm 1 in die Rolle des Baumes, der am Wasser steht. Auf meine Frage "Baum, wie ist das für dich, direkt am Bach zu stehen", antwortet sie: "Ich finde das toll und ich geniesse das sehr! Aber ein ganz klein bisschen ist mir manchmal auch unheimlich. Was wird mit mir, wenn jemand den Bach umleiten wird?" – Im Echo sage ich: So am frischen Wasser zu stehen, das geniesse ich sehr. Aber manchmal mache ich mir Sorgen, dass es nicht immer so bleiben wird.
Vielleicht hätte ich in einer Predigt über diesen Psalm den Vergleich mit dem Baum am Wasser gar nicht so sehr ausgelotet, sondern wäre auf die Freude am Gesetz eingegangen, womit der Psalm beginnt. Die Teilnehmerin aber legt in den Bibliolog eine Erfahrung, die sie gemacht hat: dass es in den Durststrecken des Lebens manchmal schwer ist zu vertrauen und schwer, an den Lebensweisungen Gottes Freude zu finden. Ja, dann kann sich sogar die Ungewissheit wie ein schwerer Schleier über das Leben legen!
Ein anderer Teilnehmer (wie ich später erfahre, ehemaliger Mitarbeiter bei einer Mineralwasserfabrik) strahlt und sagt: "Ich bin gerne hier am guten erfrischenden Wasser. Aber ich finde, das Wasser mit seinen wichtigen Mineralien muss man auch anderen Bäumen zugänglich machen. Dabei möchte ich mithelfen." – Im Echo sage ich: Ich geniesse es, am frischen nährenden Wasser stehen zu dürfen. Aber ich möchte mithelfen, dass auch andere dieses Wasser geniessen können. Der Mann schaut mich an, dann fügt er hinzu: "Nein, ich wünsche mir das, aber ich bin ja nur ein Baum. Das muss ein Gärtner machen."


Bibliolog zu 1. Mose 28,9 - 29,1 Jakob und die Himmelsleiter - Bernadette Oberholzer
Dem flüchtenden Jakob stelle ich die Frage (nach Vers 10): "Jakob, du bist auf der Flucht vor deinem Bruder Esau, der dir nach dem Leben trachtet - was geht dir jetzt durch Kopf und Herz?" Eine Frau meldet sich zaghaft ... sie wüsste schon etwas, aber das gehe ja nicht. Ich ermutige sie, uns doch einfach einmal zu formulieren was sie meine, worauf sie sagt: "Am liebsten würde ich jetzt dem Esau eine SMS senden und ihm darin mitteilen, dass es mir leid tut. Aber eben, das ging ja damals gar nicht ...". Im Echoing sage ich: "Ich, Jakob, würde meinem Bruder Esau jetzt gerne eine Mitteilung zukommen lassen, dass es mir leid tut, ohne ihm aber direkt entgegentreten zu müssen." Die Frau strahlt mich an: "Ja, genau das meinte ich."